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Zwei Jahre vor dem Beginn der ersten Welkrieges wird Friedrich Pützers Hauptbahnhof eingeweiht. Der Krieg kostet Darmstadt 2000 Gefallene
 (vor Beginn des Krieges lebten 87.000 Menschen in der Stadt).

1918 wird das Großherzogtum Volksstaat; Darmstadt bleibt Hauptstadt des Landes. Die Bürgerschaft übernimmt das Mäzenatentum des Fürsten, der abdanken muss nach der November-Revolution von 1918.

Neue Entwicklungen bahnen sich an, das Theater erlebt eine Blütezeit des Schauspiels, Inflation, Depression, Parteikämpfe und Arbeitslosigkeit münden in die Machtübernahme durch den Nationalsozialismus, die Gleichschaltung folgt; Selbstverwaltung und kulturelles Eigenleben gehen unter.
Am 1. April 1935 wird Darmstadt kreisfrei. 1937 werden Arheilgen und Eberstadt auf Befehl des Reichsstatthalters eingemeindet. Darmstadt ist Großstadt.

In der "Reichskristall-Nacht" brennen auch in Darmstadt die Synagogen, und in den folgenden Jahren werden die jüdischen Bürger vertrieben oder deportiert, viele sterben in Konzentrationslagern.






Hakenkreuzfahnen am Ludwigsmonument





Darmstädter wie Schwamb, Mierendorff, Haubach oder Leuschner stellen sich gegen die Diktatur, die auch von der Mehrheit der Bürger der Stadt an die Macht gebracht worden war (am 5. März 1933 erhielt die NSDAP genau 50 Prozent der Stimmen).
Die Widerstand Leistenden werden, soweit sie den Nazis in die Hände fallen, in KZs gebracht, ermordet oder hingerichtet, nach Verurteilung durch die NS-Justiz, darunter auch die am 20. Juli beteiligten Haubach, Leuschner und Schwamb.

Ab dem 3. September 1939 war die völlige Verdunkelung Darmstadts befohlen. Erster Fliegeralarm war am 8. Juni 1940, letzter Alarm am 24. März 1945 (Amerikaner vor der Stadt, Besetzung am nächsten Tag).

Insgesamt erlebte die Stadt während des zweiten Weltkriegs 1567 Alarme. Die 35 Luftangriffe verteilten sich auf die Jahre:
1940: drei
 1941: drei
 1942: zwei
 1943: vier
 1944: neunzehn
 1945 (bis März): vier.








Am 11. September 1944 um 23:30 Uhr wurde die Kernstadt in einem konzentrierten Nacht-Angriff englischer Bomber-verbände zu 78 % zerstört.
Die Zahl der Toten, am 13. Oktober 1944 vom NS-Gau mit 4006 und 200 Vermissten angegeben, wird auf 11000-12000 geschätzt. 70000 Menschen werden obdachlos. Auf hundert männliche Opfer kamen in Darmstadt 181 Frauen, Rund 20 % der Toten waren Kinder unter sechzehn Jahren.
Der Sachschaden wird auf 1500 Millionen Reichsmark beziffert.


















Der zweite Weltkrieg bringt Darmstadts schlimmste Stunde.

Die amerikanischen Truppen setzen Professor Ludwig Bergsträsser als Chef der Provinzial- später auch der Landesregierung ein; der Rechtsanwalt Ludwig Metzger wird Oberbürgermeister, der Rektor Julius Reiber Bürgermeister.

Die Amerikaner verlegen im gleichen Jahr den Sitz der Landesregierung nach Wiesbaden. Wichtige Behörden wandern ab. Darmstadt scheint verloren.
Unter ungeheuren Mühen und Schwierigkeiten beginnen mutige Frauen und Männer in den Hungerjahren trotzdem das scheinbat Hoffnungslose. Die Trümmer werden von den Strassen geräumt.






Stunde Null



Zuteilungen
 
In  der 3.Woche der 81. Zuteilungs-Periode, das waren die Tage vom 29. Oktober bis 4. November 1945, erhielten Erwachsene über 18 Jahre folgene Nahrungsmittel-Mengen für eine ganze Woche:

2000 Gramm Brot, 200 Gramm Fleisch oder Wurst, 62,5 Gramm Butter, 125 Gramm Nährmittel, 125 Gramm Teigwaren, 3000 Gramm Kartoffeln, ein Achtel Liter entrahmte Frischmilch (Magermilich) täglich - soweit vorhanden.

Das war alles. Keinen Zucker, keine Marmelade, keine Eier, kein Mehl (das höchstens ersatzweise für Brot bezogen wurde), keinen Käse.






Schwarzmarkt-Zeiten
 
20 amerikanische Zigaretten kosteten 150 bis 200 Reichsmark. Für 1 Kilo Kaffee bezahlte man 1100 Reichsmark. Ein Ei war zwölf RM wert. Eine Schachtel Streichhölzer bekam man für fünf RM, einen Feuerstein ebenfalls für fünf Reichsmark. Butter konnte man bekommen: zwischen 60 und 150 Reichsmark das Kilo in den "Glanzzeiten" des schwarzen Marktes.

















 


Aufschwung


Die Währungs-Reform von 1948 mit ihrer stabilen neuen Mark folgt ein stürmischer Wiederaufbau. Ganze Viertel entstehen neu. Während der Wirtschaftswanderung aus dem abgetrennten Mitteldeutschland gelingt es, die Industriebasis Darmstadts um eine grosse Zahl weltbekannter "rauchloser" Unternehmen wie Verlage zu bereichern und rund 16.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Stadt wächst. 1951 wird Dr. Ludwig Engel zum Oberbürgermeister gewählt. Am 9. Juni dieses Jahres kommt Darmstadts hunderttausendster Einwohner zur Welt; ein Dutzend Jahre später ist die Stadt wiederaufgebaut, grösser als jemals zuvor. Ein neues Darmstadt wahrt seine Traditionen und öffnet dem Werdenden seine Tore. Am 27. September 1959 erlebt die Bürgerschaft auf dem Marktplatz die Verschwisterung ihrer Stadt mit dem französischen Troyes, dem holländischen Alkmaar und dem englischen Chesterfield.





Quelle: Darmstädter Bürgerbuch